Blähbauch / Magenüberladung bei Kaninchen


Ein Blähbauch oder Verstopfungen werden nicht immer leicht erkannt. Man verwechselt das oft mit lapidarem Bauchschmerzen, die auch ein Kaninchen einmal haben kann, jedoch ist ein Blähbauch lebensbedrohlich und kann zum Tode des Tieres führen.

Symptome

Es gibt verschiedene Gründe, wie es zu Problemen kommen kann: Es wurde falsch gefüttert, z.B. zu viel Kraftfutter und ein zu geringes Angebot an Frischfutter/ Trinkwasser. Es kann auch sein, das das Futter nicht ausreichend gekaut wurde und zu grob in den Magen-Darmtrakt gekommen ist, das Futter ist kalt aus dem Kühlschrank gekommen. Es kann auch infolge einer Operation zu einer Magenüberladung kommen. Auch eine Bauchfellentzündung kann eine Ursache sein.

Warnsignale

  • Das Kaninchen frisst nicht oder sehr wenig
  • es setzt keine oder nur sehr kleine Köttel ab
  • der Bauch ist hart oder aufgebläht
  • das Kaninchen sitzt in "Schonhaltung", knirscht eventuell sogar mit den Zähnen
  • es versucht Kot ab zu setzen, es kommt aber nichts

Grundsätzlich:
Wenn ein Kaninchen nicht frisst ist dies immer ein Zustand der SOFORT behandlungswürdig ist. Ebenso wenn es über längere Zeit, ca. 12h, keinen Kot absetzt. Zeigt ein Tier nur eines oder gar mehrere der oben genannten Symptome ist schnelles Handeln angesagt, bevor es zu weiteren ernsten Problemen kommt.
Bitte nicht selbst viel rumdoktern und vor allem: auf keinen Fall selbstständig päppeln oder das Tier mit Brei zwangsfüttern! Im Falle einer Verstopfung kann dies tödlich enden!
Bitte such umgehend einen Tierarzt auf.

Sofortmaßnahmen die trotzdem ergriffen werden können:

  • Ist der Bauch aufgebläht/ hart oder er gluckert: Eingabe von SAB Simplex
  • Bei Vermutung einer Verstopfung (Tier setzt keinen Kot ab, häufig bei Fellwechsel): Eingabe von Paraffinöl (1ml im 2 h Takt bis der Arzt kommt oder erreichbar ist)
  • Einflößen von Flüssigkeit: verdünnter kühler Magen-Darm-Tee, Kamillentee, Fencheltee (je nach Tier ca. 5-10ml im 1h Takt bis der Arzt kommt oder erreichbar ist)

Wichtige Untersuchungen beim Tierarzt:

  • Abtasten des Bauches
  • bei unklarer Diagnose durch Abtasten unbedingt Röntgen! (falls eine Aufgasung/Verstopfung vorhanden ist, wo genau sie sitzt und wie prall der Magen/Darm gefüllt ist)
  • Abhören, um festzustellen, wie der Darm noch arbeitet, wo ggf. Luft eingeschlossen ist.
  • Temperatur messen (Ausschluss vom Infekt, bzw. haben viele Tiere mit obigen Symptomen Untertemperatur)

Will der Arzt zwangsernähren bevor die Ursache klar (sprich eine Verstopfung ausgeschlossen) ist, bitte holt eine zweite Meinung ein, das kann über Leben und Tod entscheiden.
Wenn ein Tier plötzlich zu diesen Symptomen kommt und morgens oder abends noch auffällig gut gefressen hat, ist es nicht so schlimm wenn bis max. 24 keine weitere Nahrungsaufnahme erfolgt. Schlimmer im Falle einer Magenüberladung ist es tatsächlich, wenn das Tier zwangsgefüttert wird! Ist das Tier stark ausgetrocknet wird der TA (vor allem Sommer) sicher erst mal eine Infusion geben um den Kreislauf zu stabilisieren. Flüssigkeit ist außerdem gut um den Futterbrei weiter zu schieben und geschmeidiger zu machen.
Weitere Behandlung erfolgen dann nach der gestellten Diagnose. Was und ob ihr dann etwas zusätzlich unternehmen sollt kommt immer auf die Empfehlung und Behandelung des Arztes und die Diagnose an. Meist wird Paraffinöl mitgegeben (wirkt stark treibend) und Sab Simplex (wirkt entblähend). Wenn sich nach 12 Stunden keine besserung einstellt, dann muss man nochmals zum Tierarzt fahren und das Tier gegebenfalls zur Beobachtung dort lassen.
Wichtig: Hast du vor dem TA-Besuch Sofortmaßnahmen ergriffen dann teile diese dem TA mit.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung vor "Magengeschichten" ist grundsätzlich eine gesunde, kaninchengerechte und ausgewogene Ernährung. Futter welches im Kühlschrank geagert wird muss erst Zimmertemperatur bekommen. Schnelle Futterumstellungen sind zu vermeiden. Ebenso gepresstes Trockenfutter, bzw eine zu flüssigkeitsarme Fütterung, welches diese Sachen begünstigt.

Zur Vorbeugung von Verstopfungen durch Haarballen: Während des Fellwechsels die Tiere regelmäßig ausbürsten oder mit der Hand lose Büschel abzupfen. Sonnenblumenkerne (2-3 Stk ohne Schale) oder auch Paraffinöl (3-5 Tropfen täglich) können zur Vorbeugung gegeben werden. Aber bitte nur im Fellwechsel und bei akut drohenden Problemen zu Paraffinöl greifen, nicht über zu lange Zeit, da das Paraffinöl schlecht abgebaut wird und so die Leber und Niere belastet.

  • Regelmäßige Futtergaben verhindert bei Tieren die zum schlingen neigen, dass unnötig Luft geschluckt wird.
  • Frischfutter sollte mehrere Stunden ausreichen oder wird am besten mehrmals am Tag verteilt gegeben.
  • Um Sicher zu gehen, dass keine Kokzidien oder Hefen das Problem verursachen sollte auch (sofern möglich) direkt eine Kotprobe beim TA mit abgegeben werden
  • Loses Fell am Tier und im Gehege entfernen (Bürsten, Kämmen, mit feuchten Händen streicheln, Furminieren, Langhaartiere scheren)
  • Gutes Raufutter (Kräuter, Wiese, Blätter, zweige, Blüten) anbieten, Rohfaser nimmt die Haare mit auf dem Weg nach draußen
  • Bewegung- hält auch die Verdauung in Schwung
  • Flüssigkeit (nicht nur in Form von Wasserschalen im Gehege, auch in der Nahrung sollte ein gewisser Wasseranteil vorhanden sein)
  • Fettige Sämereien wie Leinsamen, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Pinienkerne, Hafer, Negersaat, Hirse: sie helfen bei nicht übergewichtigen Tieren etwas den Nahrungsbrei zu "schmieren", gut dosieren und nicht zu häufig geben
  • mindestens 1x täglich das Gehege gut reinigen, Teppiche absaugen.

Kaninchen-Apotheke

Um adäquat zu reagieren daheim, bevor der Arzt aufgesucht werden kann, kannst du dir eine kleine Notfallapotheke zusammen stellen.
Diese Dinge sollte der Kaninchenhalter immer im Haus haben:

  • Fibreplex/ BBB (BirdBeneBac) - für die Darmflora bei/ nach Durchfall o.ä.
  • Sab Simplex - gegen Blähungen
  • MCP - Verdauungsprobleme - Achtung! Selbstmedikation ohne Rücksprache mit dem TA ist nicht zu empfehlen!
  • Paraffin-Öl - Verstopfung
  • CC (CriticalCare) - für Zwangsernährung
  • Babygläschen mit Gemüse (zuckerfrei, ohne Fleisch) - für Zwangsernährung: immer vorher abklären beim TA
  • Bepanthen - für kleinere Wunden
  • Rivanol - Desinfektion kleiner Wunden
  • 2-5ml Spritzen (normalerweise reicht ohne Nadel)




 

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