Keine Einzelhaltung - die richtige Haltung für Kaninchen




Eigentlich sollte kein Tier, das in der freien Natur in großen Gruppen lebt, bei uns in der Wohnung alleine (oder einem artfremden Partner) leben. Kaninchen sind Wesen, mit ausgeprägten Fähigkeiten, Freude, Glück, Angst, Trauer und Eifersucht zu empfinden, die mindestens einen Partner möchten, um mit diesem zu schmusen, gegenseitige Fellpflege zu betreiben, einfach mal nur herum zu toben, zu ruhen oder auch mal zu streiten.


Kurz und knapp: Der Mensch ist kein Ersatz für einen Partner.
Zum einen können wir keine 24 Stunden am Tag bei dem Tier sein, da wir auch Verpflichtungen haben, denen wir nachgehen müssen.
Und zum anderen ersetzt selbst die innigste Beziehung zwischen Mensch und Tier einfach nicht das natürliche artgerechte Sozialverhalten. Auch wenn dein Kaninchen in freier Wohnungshaltung lebt und dir auf Tritt und Schritt folgt, du so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringst, diese Beziehung ist immer unnatürlich für dein Kaninchen und es ist deiner Willkür ausgesetzt, wann es (immernoch unnatürliche) Gesellschaft bekommt.

Normalerweise sind wir mindstens 9 h außer Haus, wenn wir dann Heim kommen, müssen wir erst unseren Haushalt oder ähnliches erledigen, das Kaninchen muss wieder mal zurück stecken. Nun stell dir mal vor, du würdest den ganzen Tag allein sein und du hättest keinen Partner der dir Gesellschaft leistet, Tag ein Tag aus. Ziemlich öde, oder was meinst Du?

Wenn Dein Kaninchen alleine lebt, wird es mit der Zeit "Macken" bekommen. Dies zeigt sich meist, in dem dein Liebling aggressiv oder gar faul wird, dies muss es nicht von heut auf morgen werden. Kaninchen zeigen meist erst sehr spät, oft zu spät wenn sie krank oder unzufrieden sind. Es kann auch passieren das Dein Kaninchen nach Jahren erst aggressiv wird. Unangenehmen Stereotypen wie Gitterknabbern, sich wund lecken oder im Kreis laufen können entstehen und machen dem Kaninchen das Leben noch schwerer und sind auch später mit Partner nur schwer wieder wegzubekommen.


Die Wahl des richtigen Partners...

... ist wahrlich kein Kinderspiel, aber Kaninchen und Meerschweinchen gehören nicht zusammen und leider ist es noch heute oft zu erleben, dass ein Kaninchen und ein Meerschweinchen zusammen leben. Doch was diese Halter nicht wissen, das Meerschweinchen und Kaninchen sich zwar augenscheinlich akzeptieren, sich aber jedoch partout nicht verstehen, da sie eine unterschiedliche Sprache "sprechen" (Gesten, Verhalten, Ausdruck, Geruch,Sozialverhalten, Verständigung). Also, wenn man schon ein Kaninchen hat, sollte man ihm den Gefallen tun und ihn mit einem passenden artgleichen Partner vergesellschaften, ebenso natürlich das Meerschweinchen!

Bei Kaninchen verstehen sich Männchen und Weibchen häufig am besten. Auch gleichgeschlechtliche Freundschaften können gut gehen wie zum Beispiel bei zwei kastrierten Männchen. Unkastrierte Weibchen haben ein erhöhtes Konfliktpotenzial, wenn nicht genügend Platz zur Verfügung gestellt wird, denn sie unterliegen hormonellen Schwankungen und sind teils recht revierbezogen und tendieren dadurch etwas zum Zicken. Wer nun meint aus unkastrierten Rammlern ein passendes Paar machen zu können irrt sich. Rammler haben ab dem 3. Lebensmonat eine dauerhafte Testosteronproduktion, das wiederum für gesteigertes Sexual-, Dominanz-, Revierverhalten sorgt.

Die zwei würden sich gegenseitig heftig bekämpfen, was unter Umständen zu lebensbedrohlichen Verletzungen führen kann. Männchen sollten also immer ab der 10. Lebenswoche kastriert werden. Auch würde ein lange angelerntes Sexualverhalten eventuell nicht mehr verlernt werden, das sorgt für unnötigen Stress bei dem Tier und seinen zukünftigen Partnertieren.
Am Besten eignen sich also ein kastriertes Kaninchenmännchen mit einem kastrierten Kaninchenweibchen. Alternativ können sich auch zwei kastrierte Rammler sehr gut verstehen. In größeren Gruppen mit mehr als 2 Tieren sollte prinzipiell eher ein Überschuss an kastrierten Rammlern bestehen. Meistens funktioniert die Gruppenhaltung am besten mit 2 Häsinnen und z.B. 4 kastrierten Rammlern. Außerdem sollte auf eine gerade Anzahl an Tieren geachtet werden, da sonst unter Umständen gerne ein Tier außen vor ist. Man muss natürlich auch immer die Charaktere der Tiere einbeziehen, es gibt keine pauschale Regel die hier greift. Es gibt tatsächlich auch unter den Gruppentieren Kaninchen die merklich seltener den Kontakt zu anderen Tieren aus der Gruppe suchen, aber das ist kein Indiz dafür, dass dieses Kaninchen lieber ganz allein wäre.



Zwei Kaninchen machen übrigens auch nicht mehr Arbeit wie eins. Natürlich brauchen sie genügend Platz in ihrem Gehege und der Wohnung. Bei Kaninchen gilt pro Tier eine Mindestanforderung von zwei Quadratmetern. Wer keine freie Wohnungshaltung anbieten kann sollte bitte auf Gehegeteile zurückgreifen die man selbst schnell und einfach bauen kann oder aber käuflich erwerben kann.
Wir möchten hier noch betonen, dass trotz oder gerade wegen eines Partners der tägliche Auslauf wichtig ist! Zu zweit toben mach einfach riiiesen Spaß!

Ein paar Facts zu Kaninchen und ihrem Sozialverhalten

Mein Kaninchen mag keine anderen Kaninchen, ist es lieber allein?
Prinzipiell nein. Kein in natürlicher Umgebung in Gruppen lebendes Tier ist bevorzugt allein.
Es kann durch falsche Sozialisierung, zu frühe Trennung von artgleichen Partnern, Wurfgeschwistern etc. dazu kommen, dass dein Kaninchen gar keine anderen Kaninchen kennt. Oder aber die Vergesellschaftung ist nicht an dein Kaninchen und seine individuellen Bedürfnisse angepasst worden. Nicht nur die richtige Vorbereitung (neutraler Ort, Häuschen, genügend Futter überall, vorherige Kontaktsperre) zählt, sondern eben auch der Charakter deines Kaninchens und der des zu vergesellschaftenden Langohres.

Mein Kaninchen wurde schon oft vergesellschaftet, es klappt nicht- mag es keine anderen Kaninchen?
s.o. Es muss wirklich genau auf die Kaninchen eingegangen werden. Kein Ei gleicht dem anderen. Es gibt äußerst revierbezogene Tiere, die auch oder gerade während einer VG nicht mit Häusern oder Tunneln zurecht kommen, da sie andere Kaninchen von dort verjagen. Man muss wirklich äußerst sensibel mit dem Thema Vergesellschaftung umgehen und genau schauen, was birgt Konfliktpotenzial und wie kann man das vermeiden.

Welche Charaktere sind kompatibel?
Ich glaube genau da kann man sich nur auf sein Bauchgefühl verlassen, es gibt keine pauschale Lösung, auch wenn man prinzipiell gucken sollte dass ein Dominanzgefälle da ist, damit keine Leit"wölfe" aufeinander treffen und sich keine unnötigem Aggressionen stauen.
Ein dominantes Mädel mag z.b. gern unterwürfige Männchen, aber allzu schüchtern darf er nicht sein, sonst buttert sie ihn dauerhaft unter, das wiederum kann ein Problem für ihn werden. Oder aber der dominante Kastrat versteht sich mit dem anderen Männchen nicht, mag aber mehrere Weibchen gern. Das muss man spüren und wenn das allein nicht klappt, was nicht schlimm ist, können gern erfahrene Kaninchenmeinungen eingeholt werden: klick

Mein Kaninchen ist schon älter, soll ich es noch vergesellschaften
Jedes Tier sollte- sofern gesundheitlich ok- vergesellschaftet werden. Und selbst wenn es blind wäre, oder mit nur einem Bein, mit einer intensiver Suche und auch gern Unterstützung von einem eingetragenen Tierschutzverein oder Kaninchen- Organisationen kannst du bestimmt einen passenden Partner finden, mit dem die Vergesellschaftung ausgeglichen abläuft. Bei Anfrage von Kaninchen-Organisationen kann man vielleicht ein Leih-Kaninchen finden, wenn man nicht langfristig immer neue Kaninchen ins Haus holen mag.

Mein Kaninchen kuschelt gern mit mir auf dem Sofa!
Sofern der artgerechte Austausch sozialer Gesten mit einem artgleichen Partner gegeben ist, ist dagegen nichts einzuwenden. Es gibt wirklich sehr verkuschelte Kaninchen die nur zu gern zu ihrem Zweibeiner gehen, um sich streicheln zu lassen.



 

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