Einleitung
Auch wenn wir das Kaninchen/Meerschweinchen als ein Tier kennen das scheinbar keine große Ansprüche an sein Futter hat, muß man hier einiges beachten damit man der Gesundheit der kleinen Wackelnase nicht schadet. Man sollte dies nicht auf "die leichte Schulter" nehmen, denn eine richtige Ernährung spielt eine sehr große Rolle auch für das Wohlbefinden, denn bei falscher Ernährung drohen ernste Krankheiten! (siehe auch die Folgen falscher Ernährung).
Ich gebe ja zu das wir Kleintierfreunde es nicht immer einfach haben (zumindest am Anfang) wenn man ein gutes Futter für seinen kleinen Liebling kaufen möchte. Denn oft wird man in den Zoofachgeschäften falsch beraten und sie haben eine riesen Auswahl von Alleinfutter, Vitaminpräperaten, Ergänzungsfutter bis hin zu irgendwelchen Leckereien, da kann einem die Wahl sehr schwer fallen. Jedoch nicht alles was für den Halter "gesund" aussieht ist es und trägt zu einer artgerechten Ernährung bei. Aus diesem Grund lohnt es sich, sich einmal mit den Verdauungsvorgängen und der artgerechten Ernährung seines Tieres zu befassen.
Die Verdauung
Kaninchen
Verdauung dient dazu Nährstoffe und Energie dem Körper zu zuführen. Die Nahrung wird mit dem Mund aufgenommen, gelangt von der Speiseröhre in den Magen. Über sogenannte Magendrüsen werden Enzyme hinzugesetzt, die nun Stärke und Eiweiß spalten. Normalerweise ist der Magen des Kaninchens immer mit Futterbrei gefüllt, da sie ca. zehn bis maximal 50 kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, am laufe eines Tages. Dies ist nötig, da ein Kaninchen keinen solchen muskulösen Magen wie der Mensch hat, so wird durch diesen "dauer Nachschub" die Nahrung weiter in den Dünndarm geschoben. Dort werden sie mit hilfe von Verdauungssekreten von Stärke und Zucker zu Aminosäuren gespalten.
Nun geht es weiter in den Dickdarm, der diesen Nahrungsbrei nun das überschüssige Wasser entzieht und dem Körper zuführt. Wenn nun ein Kaninchen Durchfall hat, ist dieser Vorgang durch irgendwelchen Gründen "gestört" und das Kaninchen kann austrocknen! Ein besonders wichtiges Verdauungsorgan bei diesen Tieren ist der Blindarm, der bis zu fünf Mal mehr Verdauungsbrei aufnehmen kann wie der Magen selbst. Im Blindarm befinden sich Bakterien, die die Rohfaser zu Stärke spalten und die ihrerseits wieder in ihre Bestandteile - Zucker - zerlegt werden kann. Diese bakterielle Gärung ermöglicht eine intensive Verwertung von Heu und Gras.
Wie wir alle wissen fressen Kaninchen manchmal ihren eigenen Kot, das ist dieser sogenannte Blindarmkot, das ist lebensnotwendig, denn so nehmen Kaninchen diese Nährstoffe wieder auf, den sie ausgeschieden haben. Dieser Vorgang (auch Ceacotrophie genannt) versorgt das Tier mit Vitamin B. Um diesen Gärprozess im Blinddarm nicht irgendwie zu stören sollte man eine Ernährungsumstellung immer sehr behutsam angehen.
Bei Meerschweinchen ist das nicht viel anders:
Das Meerschweinchen nimmt Nahrung mit dem Maul auf zerkleinert sie grob und mahlt sie mit den Backenzähnen kleiner. Im Maul wird die Nahrung eingespeichelt und dann über die Speiseröhre in den Magen weitergeleitet. Im Magen (Fassungsvermögen bei ausgewachsenen Schweinen ca. 25 ml) wird die Nahrung vermengt und mit Enzymen aufgespalten. Der Magen ist wenig bemuskelt und recht dünnwandig.
Durch die wenigen Muskeln im Magen wird auch beim Schweinchen das Futter kaum durch eine Bewegung des Darmes durch Muskeln (Darmperistaltik) weitergeleitet, sondern in erster Linie nur durch von vorn nachkommende Nahrung. Er wird deshalb auch als "Stoffdarm" bezeichnet - es muss also oben immer was rein kommen, damit hinten was rauskommen kann. Dies ist einer der Gründe, weshalb Meerschweinchen nie ausgenüchtert werden dürfen (ohne Magenmuskeln ist auch kein Erbrechen möglich).
Im Blinddarm befinden sich Bakterien, welche für die Aufspaltung und Bildung von Vitaminen lebenswichtig sind. Auch Meerschweinchen produzieren sogenannten Blinddarmkot, dieser enthält mehr Vitamine und Eiweiß als normaler Kot. Blinddarmkot wird von Meerschweinchen direkt am Anus wieder aufgenommen. Im Dickdarm werden die aufgespalteten Nährstoffe aufgenommen und durch Wasserentzug der Brei angedickt. So ein Verdauungsvorgang kann bei hochwertigem Futter bis zu 5 Tage dauern.
Hier möchte ich ausdrücklich erwähnen:
das wichtigste ist und bleibt Heu bei Kaninchen und Meerschweinchen. Es ist die Hauptnahrung und eigentlich müsste man nicht einmal Fertigfutter verfüttern. Doch da Besitzer gerne noch ein bisschen Trockenfutter verfüttern möchten, möchte ich hier aufklären welches dem Kaninchen nicht schadet!
Anforderungen an das Fertigfutter
Welche Anforderungen ein Kleintier hat bei seinem Futter hängt auch damit zusammen in welcher Entwicklungs- und Leistungsphase es gerade ist. Fellnasen die in der Wachstumsphase sind oder trächtige und säugende Tiere haben einen erhöhten Nährstoffbedarf.
Immer ist in Fertigfutter:
Rohprotein (Eiweiß), Rohfaser, Kohlenhydrate, Fette, Rohasche enthalten.
Proteine sind unverzichtbar, da sie die wichtigsten Bausteine für die Bildung von Gewebe und Körperflüssigkeit sind. Eiweiß kann nicht gespeichert werden, aus diesem Grund muß es auch ständig über die Nahrung aufgenommen werden. Was man hier jedoch auch beachten sollte, zuviel Eiweiß über einen längeren Zeitraum kann auch schädlich sein. Die Rohproteinmenge der Gesamtnahrung sollte stets weniger wie 20% betragen.
Besonders wichtig ist der Anteil von Rohfaser, dieses ist zuständig dafür das die Verdauung richtig funktioniert, es sorgt für den gleichmäßigen Transport des Futters bis es zum Enddarm angelangt ist. Aus diesem Grund sollte der Rohfaseranteil der täglichen Futterration 15-20% haben. Über 22% sollte der Anteil jedoch nicht liegen, da das kontraproduktiv wäre und zu Verstopfungen führen kann. Hochwertige Pellets enthalten bis zu 17% Rohfaser.
Kohlenhydrate sind für die Energie des Kaninchens, die es benötigt um seine Lebensvorgänge (Atmung, Verdauung, Immunsystem usw.) aufrecht zu erhalten. Der Energiebedarf ist von Tier zu Tier unterschiedlich, es spielen verschieden Faktoren eine Rolle z.B. sind es Tiere in Außenhaltung, Alter, Gesundheitszustand, ist das Tier trächtig, säugt es etc.
Tiere die außerhalb des Hauses leben, haben ebenfalls einen höheren Energiebedarf. Aber Achtung: ein Überschuß von Kohlenhydrate werden nicht ausgeschieden sondern lagert sich als Fett ab!
Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine sind ebenfalls für unsere Lieblinge lebenswichtig und sollten als Zusatzstoffe eines guten Hauptfutters nicht ausgewiesen sein. So sind Aufbau von Knochen, Zähnen, Gewebe und Körperflüssigkeiten einige Mineralstoffe (Kalzium, Phosphor, Kalium und Natrium) nötig. Eisen, Kupfer, Kobalt, Zink und Magnesium gehören zu den lebenswichtigen Spurenelemente.
Ebenso kommt denn Vitaminen eine große bedeutung zu A, B und E die den Körper bei verschiedenen Stoffwechselprozessen unterstützen (bsp. Schutz vor Infektionen). Wenn man den Kleinen abwechslungsreiches Futter zur Verfügung stellt ist dies alles gesichert. Wer dies möchte, sollte sich jedoch nicht von irgendwelchen "bunten Flocken" im Trockenfutter täuschen lassen, denn die Fellnasen "picken" sich dann nur das leckere heraus und fressen nicht alles. Trockenfutter das einen hohen Anteil an Getreide hat ist ungeeignet. Hinzu kommt, das der Rohfaseranteil viel zu gering ist. Auch getrocknetes Gemüse / Obst sollte nicht das Alleinfutter darstellen, es sollte nur als "Leckerei" gereicht werden.
Bei Meerschweinchen muss zusätzlich auf eine ausreichende Vitamin C Zufuhr geachtet werden. Ein ausgewachsenes Meerschweinchen braucht zwischen 10 und 20 mg Vitamin C am Ta, wobei die 10mg eher der Innenhaltung und die 20mg einem tragenden Weibchen entsprechen. In Außenhaltung wären 15 mg Vitamin C optimal.
Wenn du zusätzlich Trockenfutter zufüttern möchtest, dann solltest du immer die Inhaltstoffe und das Mindesthaltbarkeitsdatum überprüfen! Leider werden gute Trockenfuttermischungen nicht immer im Fachhandel angeboten, es lohnt sich auch deshalb einmal im Internet zu schauen und die Bestellung dort zu tätigen. Mein persönlicher Tipp ist: Wiesengraspellets in einer leckeren Mischung von kellis-tiershop.de Aufgestockt werden kann die eigene Mischung je nach Belieben mit Kräutern, Blüten, Gemüse.
Auch wenn Trockenfutter oft als "Alleinfutter" ausgewiesen wird, gilt: das gesündeste Hauptfutter ist und bleibt das Heu! Der Grund ist ganz einfach, Heu ist einfach unschlagbar was den hohen Rohfaseranteil anbelangt. Außerdem ist das Abknabbern für Heu gleichzeitig gut für die Abnutzung der ständig nachwachsenden Zähne.
Woran erkennt man getreidehaltiges bzw. ungeeignetes TroFu?
An den Inhaltsstoffen: Getreide, Mais, Melasse, Zucker, Honig, tierische Nebenerzeugnisse, Milch, Eier, tierisches Eiweiß, Konservierungs- und Farbstoffe. Steht eine oder mehrere dieser Zutaten auf der Liste, dann lass lieber die Finger davon.
Frischfutter
Zusätzlich zum Hauptfutter Heu und der wohl dosierten Gabe von getreidefreiem Trockenfuter füttert man frisches Grünfutter am besten morgens und abends. Wichtig ist, das man die Tiere erst langsam an ungewohntes Frischfutter gewöhnt denn sonst kann es zu Verdauungsstörungen und Durchfall kommen. Bei gesammelten Kräutern & Ästen aus der Natur besteht natürlich die Gefahr das man zu seinen Lieblingen Krankheiten einschleppt. Deshalb sollten auch Wohnungskaninchen immer gegen RHD & Myxtomatose geimpft sein.
Vor der Fütterung von frischen Kräutern oder auch Obst und Gemüse immer gut abwaschen! Um die Gefahr von Durchfall noch einmal zu verringern sollte man auch das gewaschene stets abtrocknen. Neben der Fütterung von Frischfutter und Heu muß natürlich auch jeden Tag frisches Wasser zur Verfügung gestellt werden.
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