Flaschenaufzucht, ein Erfahrungsbericht und Hilfestellung


Flaschenaufzucht bei verwaisten Zwergkaninchen

Das ist Mareikes Sicht der Dinge. Sie bekam zum Einen Hilfestellung aus unserem Fourm und zu anderen besprach sie ihre Situation mit Frau Dr. Ewringmann.

1. wenn du dieses lesen musst, steckst du wahrscheinlich tief im Schlamassel
Mir ist die Kaninchenmama gestorben, die vier Kleine hatte, die sie bestens versorgte und sieben Tage und dreizehn Stunden nach der Geburt über die Regenbogenbrücke gehoppelt ist.
Die Tierärztin meinte was von einem eventuellen Bakterium, ich persönlich hatte eher den Eindruck von Herzkasper, VOX wollte gerne mitdrehen für „Menschen Tiere und Doktoren“.
Eine Autopsie hätte genaue Ergebnisse geliefert aber niemanden wieder zum Leben erweckt.
2. Sofortige Hilfestellung
Wenn Du dann irgendwen mit Computer in der Nähe hast, gib Suchbegriffe ein wie Heimtiernothilfe, tierärztlicher Notdienst oder von mir aus die Telefonseelsorge ein, wir leben tatsächlich in einem Land, wo auch an einem Sonntagnachmittag um Hilfe gebeten werden darf. Es gibt Menschen, die man auch zu Tageszeiten anrufen darf, die nicht im Knigge stehen.
3. Was Du unbedingt brauchst:
Es gibt so genannte Aufzuchtflaschen, bspw. im Fressnapf, dort sollte man aber vorher anrufen, denn diese sind nicht immer vorrätig. Ähnliche Zoofachhandelsgeschäfte gibt es bundesweit.
Achtung: Die viel angepriesenen Flaschen mit Liebesperlen gibt es seit 15 Jahren nicht mehr zu kaufen.
  • Aufzuchtflasche, gibts z.B. von der Firma Beophar
  • Katzenaufzuchtmilch, ist ein Fertigprodukt, löst sich am Besten in heissem Wasser
  • Aufzuchtkalk (bitte sehr vorsichtig mit der Dosierung sein, Gebrauchsanweisung sorgfältig lesen)
  • Traubenzucker, macht die Sache für die Kleinsten etwas attraktiver
  • hochwertiges Speise-Öl, mischt sich aber nur wenn sehr gut geschüttelt wird. Es erleichtert die Darmtätigkeit. Sollte etwa 10% von der gesamten Mischung ausmachen.
  • eine Spritze, 20ml aus der Apotheke. Beophar verkauft zwar eine Aufzuchtflasche, aber wie man die Mischung dann ins Fläschchen bekommt, ist denen völlig egal.
  • Diätwaage, für die tägliche Gewichtskontrolle. Je nachdem, wie alt sie schon oder nur sind, können das in den ersten Tagen auch mal nur zwei oder drei Gramm an Zunahme sein. Immer zur selben Tageszeit wiegen, damit den Überblick behält. Ich hab sie seit ihrem 7. Lebenstag an der Flasche, anfangs waren es 79g , 85g und 99g. Mit 4 Wochen: 182g, 195g und 226g.

anschließend:
Geduld, Geduld, Geduld.
Genug Schlaf, so ein paar Würmchen hochzuziehen ist nicht einfach

4. Wie Du es anpackst
Es ist sehr schwierig, die kleinen an die Flasche zu gewöhnen, es braucht Zeit und Geduld. Als Linkshänder nehme das kleine mit der rechten Hand hoch, also Hand auf den Rücken des Tieres legen und mit Mittel-Ring und Zeigefinger rechts unterfassen und mit dem Daumen links, dabei beide Vorderpfötchen fixieren und das Tier auf den Rücken halten.
Mit dem Zeigefinger kannst Du jetzt ein wenig den Kopf fixieren. Das Tier wird oft strampeln und sich wehren, achte bitte darauf, dass sich Dein eigener Griff nicht verkrampft. Das kann leicht passieren, man muss sich selbst daran erinnern, wieder etwas loszulassen. Mit der linken Hand führe ich dann das Fläschchen (von dessen Saugöffnung ich etwa einen Millimeter abgeschnitten habe. Wenn man die Flaschen kauft, sind die nämlich noch zu.), vorsichtig an die Unterlippe und suche etwas Zugang in den Mund, mit Saugen ist da noch nichts, aber durch leichten Druck auf die Flasche tritt etwas Flüssigkeit aus und animiert das Tier zu schlucken.
Bei sehr jungen Tieren sind Nasenlöcher und Mund noch sehr dicht beieinander und es passiert häufig, das von der Milchmischung etwas in die Nase gerät, das Tier kann nicht mehr atmen, es droht Erstickungsgefahr, der Füttervorgang muss dann sofort unterbrochen werden und das Tier muss wieder umgedreht werden, damit es sich in Ruhe ausschnupfen kann.
Mein persönlicher Trick17 war, das ich in solchen Situationen dem Tier ein kleines Küsschen auf die Nase gegeben hab, es entsteht kurzzeitig ein minimaler Unterdruck und Nase ist wieder frei.
Bitte sorg Dich nicht, wenn Du in den ersten Tagen nicht mehr als zwei Mililiter pro Mahlzeit in das baby kriegst, so schnell verhungern sie auch wieder nicht.
5. Was kommt nach der Flasche?
Keinesfalls darf die Bauchmassage vergessen werden, ist aber einfacher, als es sich anhört. Setz das Tier neben Dich, leg ihm die Hand unter den Rücken (Wärme) und kraul ihm mit Mittel-und Ringfinger im Uhrzeigersinn den Bauch, ganz vorsichtig, zwei bis drei Minuten reichen. Das Tier lässt es sich gern gefallen und du kannst dabei fernsehen oder lesen.
6. Wie sieht in den nächsten Wochen Dein Tagesablauf aus?
Das Beste ist, du gehst zu Deinem Hausarzt und lässt Dich krank schreiben, wenn Du intelligent und sensibel genug bist, Haustiere zu halten, bist Du auch in der Lage, einen Arzt aufzusuchen, dem Du vertrauen kannst. Lüg ihm nichts vor, mit der Wahrheit kommt man immer noch am Weitesten.

In den ersten Tagen habe ich maximal 40 ml Futtermilch angerührt, und zwar abends, nach der letzten Mahlzeit. Auf diese Weise hatte ich morgens, wenn ich verschlafen aus dem Bett bin, sofort was zur Hand, was nur schnell gewärmt werden musste.
Die Milchmischungen kann man 24 Stunden benutzen, danach sollten Reste entsorgt werden.
Wenige Tage später hab ich dann schon 75ml angerührt und so fort.
Mit 16 Tagen bot ich zum ersten Mal Löwenzahnblätter und Kopfsalat an, einige Tage später auch Haferflocken und Wasser.
Den Trinkaufsatz hab ich dann auch ein bisschen vergrößert, die Füttersituationen wurden zunehmend schneller, die Kleinen saugen, alles auf dem besten Wege.
Plane deine Zeit so ein, das Du für Besorgungen oder Ähnliches nicht länger als drei Std. aus dem Haus bist.

7. Zeiten der Fütterung
Die von mir befragten Tierärzte waren der Meinung, man müsse alle zwei Stunden füttern. Das hat bestimmt auch jeder von ihnen schon mal gemacht...
Ich persönlich würde sagen, alle dreieinhalb bis vier Stunden reicht. Und wenn Du nachts sechs Stunden durchschlafen möchtest, ist das auch in Ordnung. Die Füttersituationen sind zuerst sehr anstrengend, und zwar für alle Beteiligten, auch für Dich. Und wenn Du Deinen Tieren Kraft, Liebe und Wärme geben möchtest, musst Du das auch irgendwo herholen können, also sorge auch für Dich!
8. Kleinigkeiten, die wichtig sind
In der ersten Zeit geht beim Füttern viel daneben, die Kleinen wissen gar nicht, was passiert.
Selber ist man vielleicht auch verunsichert oder hat Angst, etwas falsch zu machen. Also die Milch läuftt rechts und links aus den Mundwinkeln, läuft bei Rückenhaltung natürlich am Hals lang. Wenn Du meinst, Du hast genug gefüttert, ist schon der nächste dran. Einfach am Ende kurz alle Mäulchen mit einem warmen feuchten Lappen abwischen, Bäuchlein massieren und zurück ins Warme.
9. Was Du gar nicht gebrauchen kannst
1) Selbstvorwürfe, wenn Du nicht alle durchkriegst.
Ich hab auch eins von vieren verloren, sie wollte einfach nicht schlucken. Da gabs kein Gestrampel, sie wollte nur Ihrer Mama hinterher. Im Nachhinein hab ich oft drüber nachgedacht, ob ich es hätte verhindern können, ich weiss bis heute nicht, wie...

2) Schlaumeier, Besserwisser, Immerratgeber und Konsorten.
Was ich zum Beispiel vom Wackelnasen Team an Kraft und Richtung bekommen hab, hat mir das Durchhalten erst ermöglicht.

Es sind nun Deine Tiere und keiner kann besser beurteilen, was sie brauchen. Du wirst feststellen, dass Sie Unterschiedliche Charaktere, Fressgewohnheiten und Vorlieben haben. Lass Dich nicht beirren, Du schaffst das.

Alles Gute für deine Kleinen, ich drück die Daumen!
Mareike



 

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