Kastration bei Kaninchen


Kastration bei einem Kaninchen (männlich)

Kastration bedeutet das man dem männlichen Tier die kompletten Hoden entfernt und er somit zeugungsunfähig gemacht wird. Eine Frühkastration (d.h. vor Eintritt der Geschlechtsreife) kann man zwischen der 9. und 12. Lebenswoche machen lassen. Die Vorteile dabei sind, dass der kleine Kastrat nur ein paar wenige Tage braucht um sich zu erholen und gleich wieder in die Gruppe reintegriert werden kann.
Jede Kastration nach der 12. Lebenswoche ist eine normale Kastration und das Tier sollte 6 Wochen von Weibchen getrennt bleiben. In dieser Zeit kann sich noch fruchtbares Ejakulat in den Samensträngen und Nebenhoden befinden und bei einer Paarung kann durchaus noch Nachwuchs entstehen. Um das zu vermeiden sollte der frische Kastrat diese 6 Wochen allein in einem separaten Raum bleiben.

Vorbereitungen

Bevor man sein Tier kastrieren lässt sollte man sich ausführlich darüber informieren welche Kastrationsmethoden und Narkosemethoden es gibt.
Am besten besprecht ihr dies mit eurem Tierarzt, denn das Kaninchen sollte zuvor immer genau durch gecheckt werden. Es muss sichergestellt werden, ob alles in Ordnung mit ihm ist und keine Krankheit vorliegt, denn jede Operation (Narkose) ist ein Risiko für das Tier.

Auf keinen Fall darf das Kaninchen nüchtern zur OP gebracht werden! Kaninchen haben einen Stopfmagen d.h kommt oben nichts rein, kann auch unten nichts heraus kommen. Erbrechen ist ebenso unmöglich, da der Magen kein Muskelmagen ist.
Es ist also sehr wichtig für ein Kaninchen und Meerschweinchen das es immer ausreichend Heu zur Verfügung hat und vor einer OP ganz normal gefüttert wurde, vermeidet jedoch blähende Frischfuttersorten. Hat das Kaninchen/Meerschweinchen nicht gefressen, kann es zu gefährlicher Gasbildung und großen Problemen kommen.

Narkosemöglichkeiten:

Inhalationsnarkose

Diese Narkose ist sehr gut für eine Kastration, jedoch kann man sie nicht immer verwenden z.B. bei einer OP im Kopfbereich ist diese Narkose schlecht umsetzbar.
Das Risiko dieser Narkose ist nicht so hoch wie bei einer Injektionsnarkose, das liegt daran, dass man das Kaninchen besser aufwachen lassen kann wie bei der anderen Narkose (Dosierung). Das Kaninchen atmet das Narkosegas ein und schon kurze Zeit später schläft es tief und fest. Durch Abatmung des Narkosemittels ist es auch schon kurz darauf wieder wach.

Injektionsnarkose

Diese Narkose ist sehr einfach für den Tierarzt. Sie wird dem Kaninchen gespritzt, jedoch ist sie schlecht steuerbar.
Es kann durchaus sein, dass durch eine minimal höhere Dosierung ein Tier bis zu 3 Stunden oder länger schläft.
Das Kaninchen/ Meerschweinchen muss während der Schlaf- und Aufwachphase immer warm gehalten werden, da es sonst zur Auskühlung des Tieres kommen kann.
Während der Aufwachphase und kurz danach sollte das Tier am besten noch beim Tierarzt bleiben, denn falls es zu Komplikationen kommen sollte, ist der TA in der Nähe.
Diese Narkoseform ist belastender für den Kreislauf des Kaninchens und auch risikoreicher im Vergleich zur Inhalationsnarkose. Die Leber ist bei Abbau der Narkosemittel überwiegend beteiligt und wird dadurch stärker belastet.

Lokalanästhesie bei Männchen

Bei dieser Narkoseform wird dem Rammler ein Beruhigugsmittel injiziert und er bekommt nur eine örtliche Betäubung gespritzt.
Bei dieser Narkose ist die Kreislaufbelastung sehr gering und die gesamte OP wird sehr leicht verkraftet.
Bereits nach wenigen Minuten ist dein Liebling wieder bei vollem Bewusstsein.
Hierbei muss beachtet werden, dass sich nicht jedes Tier dafür eignet, da es grundsätzlich bei Bewusstsein ist, wenn auch leicht im Dämmerzustand. Dementsprechend sollte es kein Kaninchen oder Meerschweinchen sein, was schon bei der Berührung von Menschen panisch reagiert, denn so riskiert man einen Kreislaufstillstand durch Herzversagen.
Hast du an dieser Narkoseform Interesse sprich mit deinem Tierarzt darüber, denn er sollte ein fachkundiger Tierarzt sein, der sich diesen Eingriff zutraut.

Nach der Kastration

Nach der Kastration werden die Wunden oft mit selbstauflösenden Nahtmaterial vernäht d.h die Fäden müssen nicht nochmal vom Tierarzt gezogen werden. Jedoch nagen viele Kleintiere gern an den Nähten herum und dies kann sich negativ auf die Wundheilung auswirken. Manche jedoch interessieren sich gar nicht für die Fäden, da ist jedes Tier anders.
Dann gibt es noch die Methode des "Verklebens". Dort können Kaninchen dann nicht knabbern und das herumschlecken an der Wunde macht meist nichts aus.

Ihr solltet einmal täglich die Wunde begutachten, ob sie schön verheilt, d.h. trocken und verschlossen ist und keine Entzündungen vorhanden sind.

Egal für welche dieser Methoden du dich entscheidest, wichtig ist, dass dein Kleiner nach der reguläre Kastration nicht zu einer Häsin darf, denn der Rammler ist bis zu 6 Wochen nach dem Eingriff zeugungsfähig.
Um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden, empfehlen wir, den Rammler bis zu 6 Wochen von der Häsin getrennt zu halten.

Um die frische Wunde nicht nach der OP zu reizen, sollte der Rammler für ca. 3 Tage nicht auf normaler Einstreu sitzen, sondern auf Handtüchern oder alten Laken. Die Einstreu könnte sich in die Wunde setzen und somit zu Entzündungen führen.
Heu sollte natürlich immer reichlich zur Verfügung gestellt sein, am beste in einer Heuraufe.

Mona schrieb zum Thema lokale Betäubung:

Die Kastration meines Kaninchenherrens ist problemlos gelaufen - er bekam eine Betäubung an den Hoden und die Kastration dauerte alles in allem ca. 15 Minuten. Ich konnte ihn auch gleich wieder mitnehmen, obwohl er sehr böse mit mir war. ;-) Die nächsten Tage musste er dann auf Bettlaken laufen.

Kleiner Tipp am Rande: Wenn man in den Käfig erst Stroh rein tut und das Bettlaken dann so darüber spannt, dass das Tier nicht ans Stroh kann, dann ist es ganz sicher gemütlicher, als der harte Boden mit einem Laken drüber.
Er litt ganz fürchterlich, weil er ja nichts hatte, ausser dem Futternapf und der Heuraufe. Er sollte sich nicht bei Sprungmanövern verletzen.
Nach 3 Tagen durfte er wieder Auslauf haben (seine Narbe verheilte extrem schnell!) und er hat sich gefreut wie ein junges Fohlen. Nach 6 Wochen "Einzelhaft" durfte er dann endlich zu seiner Frau (Maat). Die beiden sind nun ein Herz und eine Seele und lieben sich abgöttisch! Es wird einem vor der Kastration gesagt, dass der Bock ruhiger wird - das kann ich bei meinem nicht bestätigen, da er immernoch genau so ist wie vorher (und das ist gut so!). Was ich allerdings mit Freude sagen kann: Seitdem die Kaninchen zusammen sind, ist Maat viel anhänglicher und ausgeglichener.

Kastration einer Häsin

Wie im Artikel über Scheinschwangerschaften bereits erwähnt, kann es durchaus dazu kommen, dass auch eine Häsin kastriert werden muss.
Oftmals sind Zysten an den Eierstöcken Ursache für ein gesteigertes Sexualverhalten.
Die Zysten stimulieren die Eierstöcke und diese produzieren daraufhin verstärkt Hormone, welche das Weibchen auf Hitze und (Schein-) Schwangerschaften einstellen.
Diese starke Hormonbelastung kann auch Veränderungen und Erkrankungen an der Gebärmutter auslösen, diese erket man meist mithilfe eines Ultraschalls.

Durch dauernde Hitze und viele Scheinschwangerschaften wird die Häsin an Gewicht zunehmen, meist im Halsbereich in Form einer Wamme. Dies ist ein natürlicher Prozess, da die Häsin denkt, sie bekommt Junge und speichert deswegen Reserven an, um genügend Energie für Die Milchproduktion hat.

Ebenfalls wird die Häsin nach und nach ihr Verhalten ändern, denn Scheinschwangerschaften (und auch existierende Schwangerschaften) sind extrem stressig für das Tier und wenn dies zu oft vorkommt, steht die Häsin unter Dauerstress. Eine dauernde Hitze kann sich z.B. in Bissigkeit, Berammeln der Gruppenmitglieder, Aggressionen oder starken Gewichtsverlust äussern.

Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen, sprich Eierstöcke und Gebärmutter der Häsin entfernt. Das ist natürlich nicht so einfach wie bei einem Rammler, der seine Hoden außerhalb des Körpers trägt.

Die Operation:
Der Häsin wird an der Bauchdecke ein Schnitt von etwa 3-5 cm Länge angesetzt und die Keimdrüsen und die Gebärmutter entfernt. Der Tierarzt sollte eine Doppelnaht setzen mit eingenähtem Deckverband, damit nichts passieren kann, falls die Häsin unbemerkt an der Wunde knabbert.

Nach der Operation muss die Häsin unbedingt auf Handtüchern laufen, damit nichts in die Wunde gelangt, denn diese kann verschmutzen und es kann Infektionen geben! Das Kanincen sollte nach der Kastration bis zur Wundheilung allein gehalten werden, damit andere Kaninchen oder Stress in der Gruppe ihre Wunde nicht öffnen.
Man sollte vom Tierarzt – für den Notfall – einen „Trichter“ mitnehmen, ca. 2-3€. Entweder kann das Kaninchen mithilfe eines Stramplers vom knabbern abgehalten werden oder sie muss tatsächlich den Trichter tragen.
Wenn die Häsin stark mit dem Trichter kämpft, sich aufbäumt und andere ruckartige Bewegungen macht, sollte man ihn sofort wieder entfernen, da solche Bewegungen die Naht reißen lassen könnten.
Die Naht sollte mindestens zwei Mal am Tag kontrolliert werden! Nässt die Wunde stark oder öffnet sich gar die Naht, sollte man den Tierarzt anrufen! Beim Kontrollieren muss man das Tier leider aus dem Käfig heben (meistens) – hier bitte VORSICHTIG sein und darauf achten, dass das Kaninchen nicht zu sehr strampelt!

Am besten greifst du unter die Vorderbeine und hältst diese in der Hand fest. Dann nimmt die andere Hand das Hinterteil und stützt dieses. Nur immer darauf achten, dass das Tier nicht fallen kann und die Wunde keinen großen Belastungen ausgesetzt ist! Die ersten ca. 2-3 Tage nach der Kastration wird die Häsin nicht viel fressen – besorg die lieber schon vorher CriticalCare, Babybrei (Banane/Apfel oder Karotte ist empfehlenswert) und Spritzen ohne Kanüle!
Außer auf Futter muss auch auf eine ausreichende Flüssigkeitaufnahme geachtet werden und gegebenenfalls muss Wasser in einer Spritze verabreicht werden.
Am besten ist es wohl, wenn man in den ersten Tagen nach der Kastration nur ihr Lieblingsfutter anbietet, damit sie einen Anreiz zum Fressen hat.
Auslauf sollte bis mindestens 3 oder 4 Tage nach der OP nicht gewährt werden, denn ruckartige Bewegungen hindern die Heilung! Die Fäden werden nach ca. 10 Tagen gezogen, sofern kein selbstauflösendes Nahtmateral verwendet wurde oder das Weibchen die Fäden selbst gezogen hat.
Eine Nachuntersuchung nach 5 Tage ist sehr zu empfehlen.
Nach dem Fädenziehen kann die Häsin wieder in ihre Gruppe reintegriert werden. (Zusammenführung auf neutralem Boden!)

Kastration bei einem Meerschweinchen

Bei Meerschweinchenböcken kann man die Kastration umgehen, denn Böcke verstehen sich auch unkastriert mit anderen Böcken. Immerhin ist jede Narkose ein Risiko für ein Tier.
Meerschweinchen sollten nicht kastriert werden wenn sie noch keine 6 Monate alt sind, am besten man wartet sogar bis zum 3/4 Jahr, denn erst dann sind sie ausgewachsen.
Kastriert man den Bock zu früh, kann es passieren das er unterentwickelt bleibt. Zu alt sollte das Meerschweinchen auch nicht sein. Das Höchstalter setzt man bei ca. 3 Jahren an, aber es hägt immer vom jeweiligen Tier und dessen Verfassung ab.
Wie jedes Tier sollte auch das Meerschweinchen vor der Narkose gut durch gecheckt werden. Es muß gesund und stabil sein. Ausserdem sollte der Vitamin C-Haushalt des Schweinchens auf dem richtigen Level sein. Dafür kann man dem Tier zwei Tage vor der OP Vitamin C per Spritze geben lassen.


Die OP:
Dem Böckchen wird in Narkose (bevorzugt: Inhalation oder lokale Betäubung) der Hoden entfernt und die Naht verklebt oder vernäht.
Neu ist es die Wunde (max 1cm) nicht zu verschließen, da es so besser abheilt und nicht zu Verkapselungen kommt.
Die Vorteile dabei sind, daß das Wundsekret gut ablaufen kann und die Ausheilung von innen nach außen erfolgt. Der Nachteil ist jedoch das die Wundheilung etwas länger dauert.

Nach der Kastration:

Meist werden die Wunden mit selbstauflösenden Nahtmaterial vernäht d.h die Fäden müssen nicht vom Tierarzt gezogen werden. Jedoch nagen viele Meerschweinchen gerne an den Nähten herum und dies kann sich negativ auf die Wundheilung auswirken. Deswegen ist es wichtig, einmal am Tag die Wunde zu begutachten, ob sie schön verheilt, denn gerade bei Meerschweinchen kann es zu Abszessen an der Naht kommen.
Falls das Meerschweinchen sich die Fäden selbst gezogen hat, dann bitte sofort Kontakt zum Tierarzt aufehmen.

Wieder daheim sollten das Böckchen nicht sofort zum Weibchen, da auch bei Meerschweinchen noch fruchtbare Samenreste zurückbleiben und es so zu einer ungewollte Befruchtung kommen könnte.
Am besten wartest du ca. 6 Wochen ab.
Um die frische Wunde nach der OP nicht zu reizen, sollte das Böckchen für ca. 3 Tage nicht auf normaler Einstreu sitzen, sondern auf Handtüchern oder alten Laken. Die Einstreu könnte sich in die Wunde setzen und somit zu Entzündungen führen. Heu sollte natürlich trotzdem reichlich zur Verfügung gestellt sein, am besten in einer Heuraufe.



 

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